Ein Tag für die, die den Alltag tragen
Am 27. Juni würdigte die UNO mit dem Micro, Small and Medium-sized Enterprises Day die kleinen und mittleren Unternehmen weltweit, ein Tag, den die Generalversammlung 2017 eingerichtet hat, um auf den Beitrag dieser Betriebe zu den globalen Entwicklungszielen aufmerksam zu machen. In Österreich betrifft das fast die gesamte Wirtschaft. Rund 604.100 Betriebe zählten 2024 zu den KMU, das sind 99,7 Prozent aller heimischen Unternehmen. Sie beschäftigten rund 2,46 Millionen Menschen, also 65 Prozent aller Erwerbstätigen in der marktorientierten Wirtschaft, und erwirtschafteten zusammen rund 169 Milliarden Euro, 56 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung in diesem Bereich.
Diese Zahlen erklären, warum eine Bäckerei in St. Pölten oder ein Handwerksbetrieb im Weinviertel für die österreichische Wirtschaft ähnlich viel wiegt wie ein internationaler Konzern. Nur bekommen solche Betriebe selten die gleiche Aufmerksamkeit.
Wo die größte Lücke liegt
Bei der Digitalisierung wird der Unterschied zu größeren Unternehmen deutlich sichtbar. 73 Prozent der österreichischen KMU erreichen ein grundlegendes digitales Niveau, in der EU sind es 71 Prozent. Bei anspruchsvolleren Anwendungen fällt der Rückstand größer aus: Nur 25 Prozent nutzen Data Analytics gegenüber 39 Prozent im EU-Schnitt, bei Cloud-Technologien liegt Österreich mit 40 Prozent ebenfalls unter dem EU-Wert von 46 Prozent. Künstliche Intelligenz setzen inzwischen 29 Prozent der KMU ein, fast doppelt so viele wie ein Jahr zuvor.
Der Rückstand liegt selten am fehlenden Interesse. Ein Betrieb mit fünf Angestellten hat weder die Zeit noch das Personal, um neue Software eigenständig zu testen und einzuführen. Genau an diesem Punkt setzen regionale Unterstützungsprogramme an.
Zwölf Betriebe, ein Jahr, ein Programm
Das Impulsprogramm digi4Wirtschaft, finanziert durch das Land Niederösterreich und die Wirtschaftskammer NÖ, unterstützt heimische Unternehmen bei der Umsetzung konkreter Digitalisierungsvorhaben. Von Mai 2025 bis Mai 2026 haben Wirtschaftskammer NÖ und Land NÖ gemeinsam mit dem Haus der Digitalisierung zwölf erfolgreiche Projekte vorgestellt.
Die Bandbreite zeigt, wie unterschiedlich Digitalisierung im Alltag aussehen kann. In der Bäckerei Hager in St. Pölten unterstützt künstliche Intelligenz die Produktionsplanung, damit bis Ladenschluss frisches Gebäck verfügbar ist und weniger übrig bleibt. Das Logistikunternehmen BTG plant seine LKW-Transporte mit einem neuen KI-Dispositions-Tool. Bei der HAAS Garten-, Dach- und Landschaftsbau GmbH ersetzt eine App die handschriftlichen Stundenzettel. Die Traktionssysteme Austria in Wiener Neudorf erfasst ihre Produktionsdaten inzwischen automatisiert statt von Hand.
Die Wahl liegt bei allen Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern
Welches der zwölf Projekte überzeugt Sie am meisten? Bis Ende Juli kann jede und jeder auf www.abstimmungdigi4wirtschaft.at online für den persönlichen Favoriten stimmen. Im September zeichnen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker das Siegerprojekt aus. Das Gewinnerunternehmen erhält ein Werbepaket sowie wahlweise ein Imagevideo oder eine Veranstaltung im Showroom des Haus der Digitalisierung in Tulln.